Easy, Fast and Purposeful

Jenaer Internist testet derzeit an Herzpatienten in seiner Winzerlaer Praxis ein Gerät zur Cardiogoniometrie. Die neue EKG-Methode schnitt bei Studien bislang gut ab.

Von Constanze Alt

Im tiefsten Herzen von Jena-Winzerla tut sich in kardiologischer Hinsicht Erstaunliches. In seiner Praxis im Erdgeschoss eines Plattenbaus nämlich erprobt Dr. Christoph Mauch derzeit ein neues Diagnoseverfahren für Patienten mit unklarem Brustschmerz: die Cardiogoniometrie (CGM). Seit Oktober hat der sympathische Regensburger ein entsprechendes Gerät in der Testphase. Nach deren Ablauf will er es der Herstellerfirma abkaufen. Schon allein deshalb, weil es wohl nicht zuletzt diesem neuen Diagnoseverfahren zu verdanken ist, dass einer von Mauchs Test-Patienten, ein Mann Anfang vierzig, vielleicht vor einem Herzinfarkt bewahrt worden ist. Eine Belastungsechokardiographie musste abgebrochen werden, weil der Patient zusammenbrach. Die CGM aber lieferte den Befund. „Überzeugt wurde ich durch die Einfachheit der Durchführung und das gute Abschneiden bei den Studien.“ Dr. Christoph Mauch, niedergelassener Internist, Jena „Die CGM ist eine neuartige EKG-Methode, benannt nach dem schweizerischen Kardiologen Dr. Ernst Sanz aus Zäziwil“, erklärt Internist Mauch. Seiner Ansicht nach ist sie für alle Patienten mit entsprechendem Risikoprofil geeignet, also beispielsweise für Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Adipositas − und insbesondere für Patienten mit Angina pectoris, Luftnot oder Schmerzen im linken Brustkorb. „Ziel ist es, eine signifikante arterielle Verengung der Herzkranzgefäße rechtzeitig zu erfassen, bevor der Patient durch einen Herzinfarkt Funktionsschäden erleidet, oder gar daran stirbt“, sagt Dr. Mauch. Die Methode eigne sich zur Prävention, zur Nachkontrolle − und auch zur Erkennung eines möglichen „stummen Infarktes“. Jährlich erleiden laut Statistik mehr als 200 000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Etwa zwei Drittel der Infarkte werden allerdings nicht oder erst recht spät erkannt, da sie nur untypische Beschwerden verursachen oder sogar völlig symptomfrei verlaufen. Frauen haben hierfür ein um sieben Prozent höheres Risiko. Bei Diabetikern ist die Gefahr eines unbemerkten Infarktes um 50 Prozent erhöht. „Die CGM“, urteilt Dr. Mauch, „ist einfach anzuwenden, belastungsfrei, schnell und zielsicher.“ Im Vergleich zur Ergometrie, also zum Belastungs- EKG, sieht der internistische Hausarzt große Vorteile der neuen Methode. Sie sei „risikofrei, zeitsparend, kostengünstig und unabhängig vom Untersucher.“ Ihre Aussagefähigkeit sei sehr gut. Ungeeignet sei sie jedoch für Patienten mit Vorhoflimmern oder für Träger von Herzschrittmachern. Für die Untersuchung muss sich der Patient lediglich hinlegen. Wie vom „normalen“ EKG bekannt, kommen Elektroden zum Einsatz. Diese fünf Elektroden erfassen die Erregungsleitung des Herzens. Durch die Lage der fünf Elektroden können drei zueinander orthogonale Ableitungen berechnet werden. Dies ermöglicht eine dreidimensionale Darstellung der Herzströme, und somit eine räumliche Visualisierung der Erregungsausbreitung und der Erregungsrückbildung des Herzens. Die grafische Darstellung der Daten macht den Ort der Schädigung schnell erkennbar. Eine sechsmonatige Studie mit über 200 Patienten an Kliniken in ganz Deutschland − darunter renommierte Häuser wie Bad Segeberg, Ludwigshafen oder Villigen-Schwennigen − hat ergeben,  dass mittels CGM-Verfahren Herzerkrankungen bei Patienten mit unklarem Brustschmerz mehr als doppelt so sicher erkannt werden wie beim herkömmlichen EKG. Zudem wurden zusätzliche Patienten korrekt als krank identifiziert, bei denen weder EKG noch Bluttest eindeutig aussagekräftig waren. Auch gegenüber dem Stress-MRT schnitt die CGM gut ab. Derzeit läuft an der Zentralklinik Bad Berka eine Studie, die Cardiogoniometrie und Stress-Echokardiographie vergleicht. Eine Pilotstudie zum Vergleich mit Stress-MRT läuft in Villingen-Schwenningen. „Durch die Analyse zahlreicher Studienergebnisse wurde mir die Methode der CGM bekannt“, erklärt Christoph Mauch. „Überzeugt wurde ich durch die Einfachheit der Durchführung und durch das gute Abschneiden bei den Studien.“ Die Kosten für die Untersuchung müsse der Patient leider noch selbst tragen. „Das Verfahren der CGM ist sowohl den Fachärzten als auch der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht hinreichend bekannt“, vermutet Dr. Mauch. Er hofft, dass die Studien helfen, die Kassen zu überzeugen.

Cardiogoniometrie

• Die Cardiogoniometrie (CGM) ist eine neuartige EKG-Methode.

• Sie eignet sich zur Prävention, zur Nachkontrolle und bei unklarem Brustschmerz. Dieser birgt das Risiko des „stummen Infarktes“. Etwa zwei Drittel der Herzinfarkte werden nicht oder sehr spät erkannt.

• Eine höhere Genauigkeit als das Ruhe-EKG bietet das neue Diagnoseverfahren der CGM. In zwölf Sekunden misst es mit nur fünf Elektroden die elektrischen Herzmuskelsignale im 3-D-Verfahren.

• Dabei werden auch die Infarkte bzw. Vorstufen identifiziert, die im EKG nicht zu erkennen sind.

Quelle:
OTZ-Ostthüringer Zeitung
16.12.2011

 

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