„Beim Herzinfarkt zählt jede Minute“

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen. Werner Jung, Kardiologe aus Villingen-Schwenningen, spricht über die aktuelle Forschung und Therapie.

Herr Jung, was gibt es Neues zum Thema Herzinfarkt? Nach wie vor ist die sofortige Intervention mit einem Herzkatheter wegführend für Patienten mit akutem Herzinfarkt. Das geht aber nur, wenn es rund um die Uhr eine 24-Stunden- Bereitschaft mit vier bis fünf Kardiologen gibt – auch an Wochenenden, Weihnachten, Ostern und über die Urlaubszeit. In kleineren Häusern ist das in der Regel nicht möglich. Eine Thrombolyse, also das Auflösen des Gerinnselpfropfens, der ja bei einem akuten Herzinfarkt eintritt, wird heute nur noch ganz selten gemacht, weil der Katheter der Thrombolysetherapie deutlich überlegen ist.

Was zeichnet die Cardiogoniometrie aus? Das ist ein Verfahren, das eingesetzt wird, wenn der Patient Angina pectoris-Beschwerden hat, die belastungsabhängig auftreten. Da ist diese Methode aussagefähiger als das normale Ruhe-EKG. Wenn der Patient Beschwerden und ein normales Ruhe-EKG hat, das Cardiogoniometrie-EKG aber nicht in Ordnung ist, spricht das dafür, dass er sehr wahrscheinlich Engstellen an den Herzkranzgefäßen hat.

Wie viele Häuser haben diese Methode? Bislang nur relativ wenige. Wir sind derzeit eines der wenigen Zentren, die federführend an dieser Entwicklung mitgewirkt haben. Das Verfahren steckt aber noch in der Entwicklung. Vielleicht wird es das normale Ruhe-EKG eines Tages ablösen.

 

Quelle:
Südkurier Gesundheit,
24.08.2011

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