Technische Innovationen für die kardiovaskuläre Frühdiagnostik

Nicht-invasiv, einfach und kosteneffizient untersuchen

Um schwere Folgeschäden und eine erhöhte Mortalität bei Menschen mit kardiovaskulären Risiken zu vermeiden, ist die Stratifizierung ihres Risikos und die Früherkennung pathologischer Veränderungen essenziell für eine gezielte Therapiestrategie. Die enverdis GmbH Jena präsentierte auf der Herbsttagung der DGK in Dresden mit CARDIOLOGIC EXPLORER und VASCULAR EXPLORER neue patienten- und anwenderfreundliche Geräte für die kardiovaskuläre Frühdiagnostik sowie erste Studienerfahrungen aus der Praxis.

Die Firma enverdis hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ärzte und Assistenzpersonal mit unkomplizierten diagnostischen Verfahren auszurüsten. Ergebnis der Entwicklungsarbeit des jungen Jenaer  Unternehmens sind innovative Produkte, die eine für den Patienten stressfreie und nicht-invasive Frühdiagnostik, aussagekräftige Verlaufskontrolle und Risikoscreening arteriosklerotischer sowie diabetischer Herz- und Gefäßerkrankungen ermöglichen.

Belastungsfreie KHK-Diagnose durch Cardiogoniometrie (CGM)

Arteriosklerotisch bedingte Koronare Herzkrankheit (KHK) sowie Small Vessel Diseases (SMD) aufgrund von Diabetes sind die häufigsten Ursachen von Myokardischämien. Wie Professor Dr. Rainer Wessely, Duisburg, betonte, sei eine akkurate Frühdiagnostik der KHK prognostisch relevant für die Abwendung von Komplikationen: Durch rechtzeitige Diagnostik kann den oftmaligen Folgeerscheinungen Herzinfarkt oder chronische Herzinsuffizienz vorgebeugt und damit den häufigsten Todesursachen entgegen gewirkt werden. Das betrifft insbesondere Hochrisikopatienten wie die große Gruppe derer mit bekannter KHK/ Z.n. Myokardinfarkt, mit chronischer Niereninsuffizienz, Diabetes m. und mit hereditärer Dyslipidämie. Um eine ausreichend hohe Sensitivität und Spezifität der kardialen Frühdiagnostik zu gewährleisten, seien jedoch EKG/Belastungs-EKG nicht die idealen Verfahren, führte Wessely weiter aus. Zur frühzeitigen Erkennung einer KHK bietet der CARDIOLOGIC EXPLORER von enverdis mittels Cardiogoniometrie nach Sanz (CGM) ein dreidimensionales EKG, das räumliche Strukturen der elektrischen Potenziale am Herzen in Depolarisation und Repolarisation darstellt. Dadurch lassen sich bei einfacher Anwendbarkeit wesentlich mehr Informationen als bei einem Ruhe-EKG ermitteln – ein wichtiger Vorteil vor allem für Patienten, bei denen aufgrund körperlicher Einschränkungen kein Belastungs-EKG durchgeführt werden kann. Die CGM basiert auf der Vectorkardiografie und ermöglicht eine belastungsfreie und nicht-invasive Diagnostik myokardialer Ischämien. Mit nur fünf Elektroden kann in 12 Sekunden Messzeit die elektrische Herzaktivität dreidimensional dargestellt und automatisch wie subjektiv vom Untersucher auf Ischämieverdacht bewertet werden. Die automatischen Interpretationsvorschläge erreichen eine Genauigkeit, die mit der belastenden Ergometrie vergleichbar sind bzw. diese sogar übertreffen. In einer ersten Pilotstudie mit 696 Patienten aus dem kardiologischen Umfeld erzielte die CGM eine diagnostische Sensitivität von 84 % und eine Spezifität von 90 % bei der Diagnostik relevanter Konronarstenosen verglichen mit dem Goldstandard Koronarangiographie. Die aktuell laufende multizentrische Studie CGM@ACS, Cardiogoniometrie zur Früherkennung akuter Myokardischämien bei ACS-Symptomatik mit bisher 45 Patienten, die in Dresden von Dr. Ralph Tölg, Bad Segeberg, vorgestellt wurde, vergleicht die CGM direkt mit einer Koronarangiographie. Anhand des automatischen CGM-Scores kann rasch der Verdacht z. B. auf eine klinisch relevante Myokardischämie erhärtet oder ausgeschlossen werden. Die bisherigen Ergebnisse bestätigen die einfache Anwendbarkeit im klinischen Alltag und das hohe diagnostische Potenzial auch bei ACS. Als Vorteile beschreibt Tölg, dass die Ischämielokalisation auch unter Ruhebedingungen möglich ist und die vielfältigen potenziellen Einsatzgebiete:

•prästationäre Abklärung von Thoraxschmerz

•Zeit- und Bettenoptimierung auf der Chest-Pain-Unit

•Ischämiediagnostik ohne Ergometrie

•Ischämielokalisation im Herzkatheter-Labor (HKL)

Früherkennung von Arteriosklerose und Hypertonie

Einen hohen Stellenwert für die Einschätzung des kardiovaskulären Risikos hat die arterielle Gefäßfunktion. Dabei stehen arterielle Hypertonie und arterielle Gefäßsteifigkeit in einem engen pathophysiologischen Zusammenhang. Durch den erhöhten Blutdruck werden die Arterienwände steifer, was zu einer Beschleunigung der aortalen Pulswelle führt. Die bereits früher eintreffende reflektierte Pulswelle führt wiederum zu einer Erhöhung des aortalen Blutdrucks und somit auch des systolischen  Blutdrucks in der Peripherie. Für die frühe Diagnostik und Risikostratifizierung wurden  verschiedene Marker identifiziert und entsprechende Messverfahren entwickelt. So konnten mehrere Studien zeigen, dass der Ankle-Brachial-Index (ABI) für die frühzeitige Erkennung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) als Vorstufe zu kardiovaskulären Ereignissen mit dramatischen Folgen von großer Bedeutung ist. Über die aortale Pulswellengeschwindigkeit (PWV) bzw. den Augmentationsindex (AIx) können Veränderungen der Gefäßwände festgestellt und eine entsprechende medikamentöse Therapie eingeleitet sowie deren Erfolg kontrolliert werden. Für eine nicht invasive kostengünstige Gefäßfunktionsdiagnostik bietet der enverdis VASCULAR EXPLORER eine anwenderfreundliche und schnelle Untersuchungsmethodik mit verschiedenen Funktionen:

So kann der ABI ohne die aufwändige Doppler-Methode durch die Bestimmung der höchsten Gefäßverschlussdrücke an allen vier Extremitäten mit einem neuen Messverfahren präzise ermittelt werden. Dabei werden an jeder Körperseite die Verschlussdrücke der Arterien an Oberarmen und Knöcheln plethysmografisch gemessen. Der AIx wird über die Ermittlung des brachialen sowie Approximation des aortalen Augmentations-Index bei suprasystolischem Druck nach Stop-Flow-Methode (brachial) bestimmt. Die PWV der Aorta und in der Peripherie wird mittels Bestimmung von zentralen und zentralperipheren Pulswellengeschwindigkeiten über Druckmanschetten gemessen. PWV und AIx werden nach Aufpumpen der Manschetten durch eine intelligente Software automatisch berechnet und in Grafiken veranschaulicht. Die Steuerung der Geräte erfolgt über eine intuitive Software unter Windows. Durch Unterstützung gängiger Schnittstellen zu Praxis-EDV und Krankenhausinformationssystemen können Patientendaten einfach im- und exportiert werden.

Quelle:

MedReview

16.2009

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