Akuter Thoraxschmerz: Herzinfarkt oder harmlose Neuralgie?

Autor: Prof. Dr. med. Uwe Zeymer

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Diagnostik

Die wichtigste diagnostische Maßnahme bei Patienten mit akuten Thoraxschmerzen ist die sofortige Ableitung eines 12-Kanal-EGKs, um einen ST-Strecken-Hebungsinfarkt zu diagnostizieren bzw. auszuschließen. Auch ein nicht vorbekannter Linksschenkelblock ist bei typischen Beschwerden ein Grund für eine sofortige Krankenhauseinweisung. Während ST-Streckensenkungen, insbesondere wenn diese bei mehrfacher EKG-Aufzeichnung dynamisch sind, sehr für eine ischämische Ursache sprechen, sind T-Negativierungen nicht zwingend mit einer koronaren Ursache verbunden. Andererseits schließt ein komplett unauffälliges EKG eine koronare Ursache nicht aus.

Eine neue Methode zur nicht-invasiven Diagnostik des akuten koronaren Syndroms ist die Cardiogoniometrie. Mit diesem computergestützt ausgewerteten Vektor-EKG können koronar bedingte Ischämien frühzeitig erkannt werden. Diese Methode ist insbesondere bei nicht eindeutigem EKG hilfreich.

Bei klinisch weiterbestehendem hochgradigem Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom kann auch bei unauffälligem EKG oder unspezifischen EKG-Veränderungen zum einen die sofortige Einweisung erwogen werden, alternativ ein Troponin-Schnelltest erfolgen. Da das Troponin in aller Regel erst vier bis sechs Stunden nach Beginn der Symptomatik positiv wird, ist ein negativer Befund früh nach Beginn der Symptomatik nicht zum Ausschluss eines akuten koronaren Syndroms geeignet.

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Quelle:
MMW-Fortschritte der Medizin
2011/23: 50-53